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deo.com 0ktober 2000

Ska-Punk, Spaß und gute Laune heißt bei vier Münchnern ‚MonsterGaloppingSkaCore'

Von Sublime, Goldfinger, den Mighty Mighty Bosstones und NOFX beeinflußter "MonsterGaloppingSkaCore" - eine wirklich schöne Selbstbeschreibung, die sich die vier Jungs von Sir Veja (sprich: Sör Wejscha) da haben einfallen lassen. Und das beste daran: Sie trifft genau ins Schwarze und viel prägnanter und passender kann man ihren Sound wirklich nicht beschreiben. Auf ihrem neuesten Album "Actually It's No Punkrock Anymore...But The Chicks Fuckin Love Us...SO WHAT" - das ist doch mal ein Albumtitel! - lassen es Jupp (24, Schlagzeug), Flo (25, Gitarre, Gesang), Uhl (21, Gesang/Bass) und Andi (25, Gesang/Gitarre) richtig schön krachen, wobei sie nicht planlos und stereotyp drauflos poltern, sondern auf den insgesamt zehn Stücken erstaunlich differenziert zu Werke gehen; dabei oszillieren ihre Songs zwischen Surfpunk und Ska, hier und da gibt es schön dosierte Reggae-Einflüsse, bei denen immer wieder ein bißchen Fahrt herausgenommen wird. Doch sollte man sich bei den ruhigeren Passagen niemals sicher fühlen, sie dienen oftmals nur als kurze Verschnaufpause und schon hinter dem nächsten Takt kann eine neue Explosion lauern. Es ist einiges los auf dem Album, Langeweile will hier zu keiner Zeit aufkommen, und das ist natürlich gut so. Abfeiern bis der Arzt kommt ist die Devise.

Gegründet wurde Sir Veja vor ungefähr vier Jahren, und damals, so verrät Gitarrist Flo, habe man doch relativ indifferent und parolenmäßig-dumpf seine Wut hinausgebrüllt, ja, vor allem gegen Skins und sonstige Neofaschisten hätte sich ihre Wut gerichtet. Doch das sei Vergangenheit, natürlich könne man solche Leute noch immer nicht und in keiner Weise akzeptieren, aber nun versuche die Band zum einen die Dinge ein wenig subtiler rüberzubringen, zum anderen behandeln die oftmals sehr persönlichen Texte auch andere Themenkomplexe: teilweise sozialkritisch, aber auch Songs über Liebe, kurz: sie singen von dem, was einen Mittzwanziger in dieser Gesellschaft bewegt. Voller Zorn und Wut, aber immer auch mit einem zwinkernden Auge der Ironie wollen Sir Veja zum Nachdenken anregen, nicht mehr und nicht weniger. Und auf die Frage nach ihren persönlichen Zielen gibt es eine verblüffende Antwort: "Ein paar Schlaubergern nützliche Weisheiten mit auf den Weg geben und dabei einen schönen Haufen Kohle scheffeln." - soviel zum zwinkernden Auge!

Und natürlich wollen Sir Veja - der Name ist übrigens eine alte portugiesische Bezeichnung für Bier - jede Menge Spaß haben, vermitteln und verbreiten, was man nicht nur der Platte anmerkt, die ein paar sehr nette Gimmicks enthält, sondern was die Band auch live ganz hervorragend rüberbringt (u.a. bereits im Vorprogramm von Wohlstandskindern, Tagtraum, Yeti Girls, My Balloon, u.a.). Alle Beteiligten sollen auf ihren Konzerten in erster Linie abfeiern, mit viel Bier und in einem wild kreischenden und ausgelassen tanzenden Mob. Das ist ihnen wichtiger als alles andere und da würden sie lieber vor weniger Menschen auftreten, die dafür aber richtig mitfeiern, als vor einem Meer von Leuten zu spielen, die bloß da stehen und dumm gucken.

Irgendwie seien sie halt ‚Kaschperle', die das Leben mit viel Humor nehmen, erzählt Flo zum Schluß des Gespräches. Mag schon sein, aber die vier Jungs von Sir Veja sind verdammt sympathische ‚Kaschperle', die nicht nur ein wunderbares Lebensmotto haben ("Denn wo man singt, da laß dich nieder, denn böse Menschen haben keine Lieder..."), sondern vor allem verdammt gute Musik machen. Vier ‚Kaschperle' halt, denen man alles Gute für die Zukunft wünscht...und das von ganzem Herzen.

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