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München, 28. Juni 2000 - Tunix

(mit Yeti Girls)

Nachdem ich schon einige Jahre im Zuschauer-Areal des jährlich vom ASTA der TU-München organisierten TUNIX-Open-Airs am Königsplatz verbringen durfte, war es nun so weit und wir durften den Schauplatz auch mal von der Bühne aus begutachten. Wie jedes Jahr war es allerdings sehr schwer, ein paar Zuhörer von den Bierbänken und vor die Bühne zu locken, auch wenn uns das zumindest ansatzweise gelungen ist. Hauptsächlicher Grund dafür waren höchstwahrscheinlich die Dezibel-Auflagen, die den Veranstaltern von den Behörden auferlegt worden ist, um die Anwohner ein wenig zu schonen. Aber wie soll denn auch die nötige Atmosphäre ohne eine angemessene Lautstärke geschaffen werden? Aber wir ließen uns davon die Laune nicht verderben, und so zogen wir unsere Show ab, auch wenn es teilweise den Anschein hatte, als ob es keinen interessieren würde.

Aber auch die 'Yeti Girls' (Headliner des Abends) taten sich nicht leicht, die versteckte Tanzfreudigkeit der Anwesenden hervorzulocken, obwohl sich allmählich doch immer mehr Individuen vor der Bühne versammelten. Währenddessen unternahmen wir alles, unser kostenloses Alkohohl-Konto möglichst gut auszuschöpfen.

Als es dann an der Zeit für die After-Hour-Party im Backstage-Zelt war, sollten die 'Yeti Girls' endlich erkennen, was für eine Bekanntschaft sie da gemacht haben. Während Andi sich dem Bassisten zugewandt hatte, dem er sein Rhytmusgefühl eindrucksvoll präsentieren musste, indem er ihm mit dem Handrücken auf seiner Brust irgendwelche Taktwechsel vortrommelte, hatte ich in Abwesenheit meiner geistigen Fähigkeiten ein 2m langes Brett dafür auserkoren, es wiederholt mit Inbrunst auf Jupps Rücken aufprellen zu lassen, was von jauchzenden "Aua"-Rufen seinerseits begleitet worden war. So kam es zu einer kleinen Auseinandersetzung, die damit endete, dass Jupp das Brett mit einem gezielten Karate-Kick entzweien wollte. Leider hielt ich das Brett zu diesem Zeitpunkt gerade aufrecht stehend vor mein Gesicht, so dass meine Nase die Wucht des Aufpralls dämpfen musste. Auf dem Boden sitzend kam ich wieder zu mir, als ich feststellen musste, dass meine Nase aus allen Kanälen blutete. Während Jupp mir half, das Bluten zu stoppen, hörte ich den Yeti-Girls-Sänger im Vorbeigehen nur sagen: "Warum erschießt keiner diese Bestien!" Da es schwer zu erraten war, wen er damit gemeint hat, blickte ich mich ein wenig um und sah den Andi, welcher mit Bemühung versuchte, dadurch von unserer Show abzulenken, indem er dem Bassisten seinen Lolli an die Backe klebte und seine Freundin "aussackelte" (Das ist bei uns in Bayern eine unzweideutige Beschreibung für ein eigentlich männliches Kräftemessen, wobei man sich gegenseitig unsanft die Hoden quetscht) .

Um die Yeti Girls von uns zu erlösen, begaben wir uns in die U-Bahn, um zu einer Party im Englischen Garten zu gelangen. Bald musste ich erkennen, dass es ein großer Fehler war, nach diesem Vorfall mein Gesicht nicht zu waschen. Es kam den Passanten höchst merkwürdig vor, mit einem Assozialen im Abteil zu fahren, dessen Gesicht vollkommen mit Blut besudelt war. Hinzu kam, dass die verabscheuenden Blicke noch mit Jupps laut hallendem O-Ton ("Der hat sich mit Schweine-Blut vollgeschmiert!") begleitet worden sind. Fazit des Abends: Die Yeti Girls werden sich hüten, jemals wieder was mit uns zu tun zu haben, ich kann mich einige Zeit nicht mehr in der Münchner U-Bahn blicken lassen und der Bassist wird sich den Lolli chirurgisch von der Backe entfernen lassen müssen...

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