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Wien, 16. März 2001 - TÜWI

(mit Pridigariji und Sonic Bastards)

Es war ungefähr 10 Uhr morgens, als wir uns noch ein wenig gequält von den vorabendlichen Eskapaden in München aufmachten, unsere Freunde in Österreich heimzusuchen. Nach einer Fahrt von fast sieben Stunden, welche natürlich wie immer durch eine Vielzahl von Pinkel-, Rauch- und Versorgungspausen unterbrochen worden war, befanden wir uns endlich vor dem EKH in Wien. Das Einbahnstraßen-System in dieser Gegend führte uns ein wenig an der Nase herum, so dass wir unser Ziel sukzessive einkreisen mussten, wie ein Raubtier seine Beute. Wir ließen jedoch nicht locker, zumal da wir wussten, dass Wien uns verdient hatte.

Beim Anblick des altbekannten EKH-Gebäudes wurden Erinnerungen wach an unseren letztjährigen Auftritt dort mit Hammerhai, aber dieses Jahr sollte es von uns verschont bleiben, da die Organisatoren nach den Demonstrations-Kundgebungen am Tag des berühmten Opernballs einige Probleme mit der Polizei hatten. Somit benützten wir das EKH als Treffpunkt mit unserem Kontaktmann Jaime aus Wien, der uns anschließend – noch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte – zum Ort des Geschehens im Norden Wiens lotste, die Alternativ-Kneipe namens TÜWI. Nach ein paar Erholungs-Halben war dann auch bald die Backline sowie die PA aufgebaut und der Soundcheck vollzogen, aber das wichtigste fehlte: Der Headliner des Abends, die Ska-Band ‚Pridigariji‘ aus Slowenien. Nach bangen Minuten trafen die Jungs zu guter letzt allerdings doch noch ein, während die ‚Sonic Bastards‘ bereits Ihr Bestes gaben. Die Bude war gesteckt voll und die Atmosphäre war perfekt. Nach der Show der Wiener Band durften dann wir ran, und es war ein Konzert der Pannen: Mir riss kurz vor Programm-Ende eine Saite, der Bass setzte unregelmäßig aus und unterlag schließlich seinen Lautstärkeschwankungen, der Andi spielte kurzfristig über den Bass-Verstärker, da er und Uhl die Kabel verwechselt hatten, usw. Das Publikum jedoch war maximal gut drauf, tanzfreudig und begeisterungsfähig. Unsere Performance war trotz der technischen Probleme sehr gut und wir haben uns ganz gut aus der Affäre gezogen, glauben wir zumindest.

Nach uns sollten dann die 8 Mann von Pridigariji auf die Bühne, was einige Platzprobleme mit sich brachte, wie Ihr Euch vorstellen könnt. Allerdings umging der Schlagzeuger dieses Problem dadurch, dass er einfach nicht auftauchte. Der Jupp wäre schon fast verzweifelt, da er nicht wusste, was er von seinem Schlagzeug abbauen oder stehen lassen soll. Als ich dann mal mein Zeug in den Backstage-Keller transportierte, sah ich den Drummer seelenruhig und voll bis oben hin ein gemütliches Pläuschchen mit Andi und Uhl zu halten. Natürlich forderte ich ihn freundlich auf, doch mal die Bühne in Augenschein zu nehmen, was er dann auch in aller ihm gegebenen Muße tat. Die Band ‚Pridigariji‘ hat wirklich die Bude gerockt, man konnte sich vor Enge kaum mehr bewegen.

Als es um die Auszahlung der Bands ging, mussten wir eine höchst einzigartige Beobachtung machen: Der Veranstalter hatte sich mit Wodka-Black in die Traumwelt gesoffen, er saß auf einen Stuhl, den Kopf in Nackenstellung, die Zunge auf Tropfposition. Auf Drängen der Slowenen wollte ich ihn aufwecken, um ihn nach dem Eintrittsgeld zu fragen, worauf er in einem präzisen Strahl erstmal seiner Umgebung mitteilte, was er in den letzten Stunden wohl getrunken und gegessen haben muss. Zuletzt kam ich jedoch doch noch an die Kohle ran und konnte die Bands auszahlen. Im Wissen, dass wir ihn so unmöglich am Ort des Geschehens zurücklassen konnten, beschlossen wir, ihn heimzufahren. Da er uns jedoch jegliche Frage, ob er uns den Weg zu sich nach Hause zeigen oder zumindest seine Adresse angeben könnte, mit einem Kopfschütteln verneinte, nahmen wir ihn mit zu unserer Schlafgelegenheit von EMS- und Radikalkur-Mitglied Alfred, der uns sehr gastfreundlich in seiner Wohnung aufnahm. Vielen Dank nochmals an dieser Stelle. Den Jaime mussten wir leider im Auto lassen, da er sich mit Händen und Füßen gegen einen weiteren Transport in eine Wohnung gewehrt hatte. So bedeckten wir ihn noch mit einem Schlafsack, damit er uns nicht erfror.

Beim Alfred hatten wir dann noch eine Menge Spaß, bis uns das Bier langsam in den wohlverdienten Schlaf wog. Am nächsten Tag war Jaime weg, lediglich ein Kotzfleck am Rücksitz erinnerte noch an seine Gegenwart. Später erfuhren wir, dass er so wie er war in die Schule gegangen ist. Er wird an diesem Tag wohl keinen Banknachbarn gefunden haben. Jaime, eine 1a-Aktion, wir werden diesen Tag sicherlich nicht so schnell vergessen. Nachdem wir bei unserem inzwischen zum Stammlokal gewordenen Schnitzelwirt ein Riesenschnitzel verdrückt hatten – eine Bedingung, ohne die unser Jupp Wien niemals verlassen würde – machten wir uns auf gen Heimat. Es war wieder mal ein sehr schönes Erlebnis, und als Fazit müssen wir anbringen, dass wir von den Österreichern in manchen Dingen durchaus was lernen können...

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